Meine Geschichte als Mutter eines gefühlsstarken Kindes
Ich möchte hier eine sehr persönliche Geschichte teilen – die meines Burnouts.
Vor allem, damit du als Mutter eines gefühlsstarken Kindes siehst und spürst: du bist nicht allein!
Vorab: Ich wurde als betroffene Mutter für eine Burnout-Dokumentation des österreichischen TV-Senders PULS4 interviewt. Der Beitrag wurde im Dezember 2022 ausgestrahlt. Du kannst ihn hier nachschauen.
Aber jetzt zu meiner Geschichte:
2021 war für mich nicht nur im Außen ein Krisenjahr mit dem zweiten Jahr Pandemie in Folge, sondern auch für mich ganz persönlich. Ich hatte ein Burnout. Es war der Punkt erreicht, an dem ich mir eingestehen musste: „Es geht so nicht weiter. Ich kann nicht mehr.“
Ich war zutiefst erschöpft, schon lange, konnte zunehmend schlechter und irgendwann gar nicht mehr schlafen, hatte Ängste und Panikattacken. Ein hartnäckiger grippaler Infekt gab mir dann den letzten Rest. Ich wurde krank geschrieben, was letzten Endes insgesamt 12 Monate so bleiben sollte.
Dieses ganze Jahr habe ich wirklich gebraucht: fachärztliche, therapeutische und medikamentöse Unterstützung parallel zum Familien-Alltag zu Hause und ein sechswöchiger Reha-Aufenthalt. All das wäre ohne die Unterstützung durch meinen wunderbaren Mann und unsere Eltern nicht möglich gewesen. Auch unsere Kinder haben lernen müssen, mit dieser Situation umzugehen, was wahrlich nicht einfach war. Aber sie haben sich sehr tapfer geschlagen. Vor allem während der Reha-Zeit, in der ich 6 Wochen nicht zu Hause war.
Der Weg war ein harter, aber wir haben als Familie unglaublich viel gelernt und sind miteinander und aneinander gewachsen. Gemeinsam mit meiner Familie habe ich den Weg aus dem Burnout heraus geschafft. Dafür bin ich von Herzen dankbar und es macht mich – das kann ich mittlerweile sagen – sehr stolz!
Warum erzähle ich dir das?
Weil ein derartiger Erschöpfungszustand – insbesondere in herausfordernden und belastenden Zeiten – jeden treffen kann, in besonderem Maße aber Eltern und vor allem Mütter gefühlsstarker Kinder. Warum?
Die Anforderungen an Eltern und insbesondere an Mütter gefühlsstarker Kinder sind bereits im „normalen“ Alltag unglaublich hoch: Die Begleitung und Co-Regulation dieser Kinder in ständig auftretenden emotionalen Ausnahmesituationen ist für alle Beteiligten ein riesiger Kraftakt. Kommen dann noch außergewöhnliche Belastungen von außen dazu wie z.B. die COVID19-Pandemie mit all ihren Folgen in den Lockdowns, Home-Schooling, Home-Office, Wegfall sozialer Kontakte, Ängsten und Unsicherheiten, dann kann das für Familien mit gefühlsstarken Kindern zu einem wahrlichen Super-Gau werden.
Wie war das bei mir?
Ich habe als Mutter sehr große Herausforderungen in der Pandemie-Zeit erlebt und war zudem selber gerade mitten in einem persönlichen Veränderungsprozess. Nach vielen Jahren der Anstellung als Stadtplanerin wollte ich mich selbständig machen und zwar mit meinem Herzensbusiness, der Kunsttherapie. Aber mein Körper hat mir zu dem Zeitpunkt etwas anderes gesagt und mich dazu gezwungen die Notbremse zu ziehen. Das war damals alles andere als einfach für mich. Aber im Nachhinein bin ich ihm unendlich dankbar dafür.
Mein Körper hat mir eine Grenze aufgezeigt, die ich eigentlich schon viel früher hätte realisieren müssen. Immerhin habe ich im Sommer 2020 ein Burnout-Präventionscoaching gemacht, das mir unglaublich gut getan hat. Und natürlich waren mir viele Zusammenhänge aus meinen Ausbildungen zur Mal- und Gestaltungstherapeutin und zur Lebens- und Sozialberaterin bekannt. Aber selbst das konnte das sich immer weiter zuspitzende Burnout nicht verhindern. Wohl aber verzögern. Ohne das Präventionscoaching wäre der Stillstand vermutlich schon viel früher eingetreten.
Wobei Stillstand im Krankenstand als Mutter relativ ist. Vor allem als Mutter von Kindern, die besonders viel Aufmerksamkeit und Begleitung brauchen, insbesondere in Krisenzeiten, während Home-Schooling und Quarantäne-Phasen.
Vielleicht gelingt es, Unterstützung im Familienalltag zu organisieren und sich als Mutter eine gewisse Zeit aus dem Familien-System herauszunehmen und zu pausieren. Aber so lange wie es bräuchte, damit sich Körper und Geist vollständig erholen können ist das einfach nicht möglich. So ist klar, dass der Genesungsprozess „im laufenden Betrieb“ seine Zeit braucht.
Wie die Krise zur großen Chance geworden ist
Ich bin von Herzen dankbar, dass mir diese Zeit und letzten Endes diese Chance gegeben wurde. Ich durfte lernen, mit all den Herausforderungen um mich herum gelassener umzugehen, vor allem aber, mich selber, meine Bedürfnisse und Gefühle absolut wichtig zu nehmen.
Dass ich meine eigenen Gefühle spüren, sie kreativ ausdrücken, wertschätzen und leben kann, das ist zu meiner großen Ressource und einem essentiellen Wegbegleiter geworden.
Ich spüre eine starke Klarheit für meinen Weg. Ich bin in meiner Kraft – auch wenn es nach wie vor immer wieder kleinere und größere Herausforderungen im Familienalltag gibt und mein Akku zu manchen Zeiten auch ganz schön leer ist. Aber ich weiß, dass ich ihn und wie ich ihn auffüllen muss. Dass dieser Raum und diese Zeit für mich essenziell sind. Dass das nicht egoistisch ist, sondern im Gegenteil, die Basis für alles in meinem Leben ist. Und so kann die Sonne in meinem Herzen wieder strahlen!
Das wünsche ich mir auch für dich!
Ich freue mich von Herzen, wenn ich dich mit meinen Erfahrungen und meiner Arbeit unterstützen und dich ein Stück deines Weges begleiten kann.